Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen - Mitglied der Bürgerzunft 1503 Tiengen e.V.
Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen

Geschichte des Freundeskreises

Bis Ende der 1960er Jahre wurde über die Vertreibung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten meist geschwiegen, auch in den Schulen. Erst danach begann allmählich die Aufarbeitung der Geschehnisse. Ein entscheidender Meilenstein in unserer Stadt war 1982 die Dissertation von Dr. Dieter Petri mit dem Titel „Die Tiengener Juden und die Waldshuter Juden“. Das Buch dokumentierte die Geschichte der Juden in Waldshut-Tiengen, basierend auf historischen Dokumenten sowie Informationen von damals noch lebenden Zeitzeugen. In den Folgejahren erweiterten Franz Söffge und Manfred Emmerich das Wissen um die lokale jüdische Geschichte. Von 1994 bis 1998 engagierte sich die Jungkolpingfamilie im Projekt „Schandmauer“. Im Seilerbergweg stand die sogenannte Schandmauer, eine Stützmauer, errichtet aus jüdischen Grabsteinen, welche in der Reichspogromnacht zertrümmert worden waren. In Absprache mit der Jüdischen Gemeinde Basel und mit Nachkommen von Tiengener Juden wurde die Mauer abgebaut und daraus auf dem Jüdischen Friedhof ein Mahnmal errichtet. Dieses wurde im November 2000 von Ministerpräsident Teufel als Stele der Versöhnung eingeweiht. 2005 gründeten Magdalena Bucher und ihre Tochter Martina Bucher-Nezirovic den Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen, mit dem Ziel, im Klettgaumuseum Tiengen eine Dauerausstellung einzurichten. 2008 wurde diese eröffnet, mit dem Titel: „5 Jahrhunderte Jüdisches Leben in Tiengen“. Der relativ kleine Freundeskreis entwickelte eine erstaunliche Eigendynamik. 2008, 2012 und 2018 organisierte der FJL in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Waldshut-Tiengen Kulturwochen zum Thema Judentum. 2012 wurde mit der Verlegung von Stolpersteinen für NS-Opfer begonnen, wobei deren Biografien in der Broschüre „Gegen das Vergessen – Stolpersteine in Waldshut-Tiengen und Umgebung für die Opfer des Nationalsozialismus 1933-1944“ dokumentiert wurden. Für Schulen wurden Begegnungen mit jüdischen Zeitzeugen organisiert und zahlreiche Führungen auf den „Spuren Jüdischen Lebens“ durchgeführt. Verschiedene Broschüren und Flyer wurden erarbeitet und kostenlos herausgegeben Aus dem Engagement ergaben sich auch gute Kontakte zu Nachkommen von Waldshut- Tiengener Juden. Im November 2019 besuchte Henry Levi mit Sohn und Enkelin seine alte Heimat, aus der er noch vor seiner Einschulung fliehen musste. Im September 2017 wurde der Freundeskreis Jüdisches Leben als Untergruppe in die Bürgerzunft 1503 Tiengen e.V. aufgenommen.